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Kaz'Urak
Kaz'Urak, die Stadt der Herden, ist die größte Siedlung der Orks und das Herz ihrer weit verstreuten Clans. Anders als die monumentalen Städte der Menschen wurde sie niemals geplant oder gegründet. Sie entstand über Generationen hinweg aus einem einfachen Versammlungsort inmitten der Savanne. Hier trafen sich die wandernden Clans, um Handel zu treiben, Streitigkeiten beizulegen, Bündnisse zu schließen und Geschichten auszutauschen, bevor sie wieder mit ihren Herden in die Weiten des Landes aufbrachen.
Während die meisten Orks weiterhin durch die Savanne zogen, blieben einige zurück. Gerber, Knochenarbeiter, Fettkocher, Züchter und andere Handwerker warteten auf die Rückkehr ihrer Clans, um die gelieferten Tiere und Rohstoffe zu verarbeiten. Aus Zelten wurden Hütten. Aus Hütten wurden Werkstätten. Aus Werkstätten wurden ganze Viertel. Je größer und erfolgreicher ein Clan wurde, desto mehr Handwerker ließen sich dauerhaft nieder. So wuchs Kaz'Urak langsam und unaufhaltsam zu der größten Orksiedlung Ariduns heran.
Die Gebäude der Stadt bestehen aus einer besonderen Mischung aus Savannenerde und dem Fett der Kharuk, jener gewaltigen Sandschweine, die in den nördlichen Savannen heimisch sind. Diese Masse härtet unter der Sonne zu einem widerstandsfähigen Baumaterial aus und verleiht den Gebäuden ihre charakteristische Farbe und Struktur. Gleichzeitig sorgt sie für einen unverwechselbaren Geruch, der sich über die gesamte Stadt legt. Für die Orks riecht Kaz'Urak nach Heimat, Arbeit und Wohlstand. Viele Fremde hingegen empfinden die Mischung aus Tierfett, Leder, Rauch und trockener Erde als gewöhnungsbedürftig oder sogar unangenehm.
Überall in der Stadt finden sich Verzierungen aus Knochen, Hörnern und Schädeln. Torbögen werden von mächtigen Hörnern eingerahmt, Fassaden mit Knochenmustern geschmückt und selbst einfache Gebäude tragen kunstvoll bearbeitete Überreste der Tiere, von denen die Orks leben. Diese Verzierungen dienen nicht nur der Dekoration. Sie erzählen Geschichten von erfolgreichen Herden, bedeutenden Jagden und den Leistungen eines Clans.
Kaz'Urak besitzt keine Handwerkerviertel, Marktbezirke oder Verwaltungszonen. Stattdessen besteht die Stadt aus den Vierteln der großen Clans der Savanne. Jeder Clan besitzt sein eigenes Gebiet, in dem seine Handwerker, Familien und Verwalter leben. Obwohl sich die Arbeit überall um die Aufzucht, Haltung und Verarbeitung von Tieren dreht, hat jeder Clan seine eigenen Methoden, Traditionen und Vorlieben entwickelt. Dadurch gleicht die Stadt einem Mosaik unterschiedlichster Viertel, die alle denselben Zweck verfolgen, dabei jedoch ihren ganz eigenen Charakter besitzen.
Im Herzen der Stadt liegt die Arena der Speere. Sie dient zugleich als Versammlungsort, Gerichtsstätte, Debattenhalle und Schauplatz für Ehrenduelle. Hohe Speere umgeben den kreisförmigen Platz. Jeder von ihnen repräsentiert einen der großen Clans und trägt dessen Zeichen, Hörner, Banner oder Knochenornamente. Hier treffen sich die Clanführer, um Streitigkeiten auszutragen, Bündnisse zu schließen oder über die Zukunft der Orks zu beraten.
An einer Seite der Arena befindet sich der Platz des Ersten Speeres. Es handelt sich nicht um einen erhöhten Thron und auch nicht um einen Ort besonderer Privilegien. Dennoch erkennt jeder sofort seine Bedeutung. Dort sitzt derjenige, der für eine Zeit die Stimme der Clans trägt und ihre Interessen nach außen vertritt. Seine Macht beruht nicht auf einem Titel oder einer Krone, sondern auf dem Vertrauen der Clans. Verliert er dieses Vertrauen, verliert er auch seine Stellung.
Über die Grenzen des Orklandes hinaus besitzt Kaz'Urak eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Die Stadt ist der wichtigste Handelsplatz der Savanne und der größte Umschlagort für tierische Güter in ganz Aridun. Regelmäßig treffen Karawanen aus Mons Vitalis ein, um Leder, Felle, Fett, Fleisch, Knochen, Hörner und lebende Tiere zu erwerben. Viele Waren, die in den Städten der Menschen als selbstverständlich gelten, stammen ursprünglich aus den Werkstätten der Clanviertel.
Doch trotz ihres Wohlstands und ihrer Größe bleibt auch Kaz'Urak von Mons Vitalis abhängig. Wie jedes andere Reich Ariduns besitzen die Orks keine eigene Quelle, die ihren Bedarf decken könnte. Das Wasser, das ihre Herden, ihre Handwerker und ihre Familien am Leben hält, gelangt letztlich über die Handelswege der Menschen in die Savanne.
Aus diesem Grund verlassen regelmäßig lange Karawanenzüge Kaz'Urak, beladen mit den Erzeugnissen der Herdenvölker. Leder, Fett, Fleisch, Knochen und zahllose andere Güter wechseln den Besitzer, bevor Wasser den umgekehrten Weg zurück in die Stadt findet. Viele Orks betrachten diesen Handel als notwendig, aber selten als gerecht. Die Reges Aquae bestimmen die Bedingungen, und nur wenige glauben, dass die Clans den gleichen Wert für ihre Waren erhalten, den das Wasser für sie besitzt.
Dennoch bleibt den meisten keine Wahl. Ohne die Herden würde Mons Vitalis viele seiner Waren verlieren. Ohne das Wasser des Mons Vitalis würde Kaz'Urak jedoch nicht lange bestehen. Diese Abhängigkeit prägt die Beziehungen zwischen beiden Mächten seit Generationen und sorgt dafür, dass zwischen Respekt, Misstrauen und stillem Groll oft nur ein schmaler Grat liegt.
