Usvapuut - Der Nebelbaum
Die Usvapuut bilden das Herz der elfischen Kultur und gehören zu den wertvollsten Pflanzen ganz Ariduns. Viele Reisende bezeichnen sie schlicht als Nebelbäume, doch für die Elfen sind sie weit mehr als eine besondere Baumart. Aus ihnen entstehen die Haine, auf denen ihre gesamte Lebensweise beruht. Wo kein Usvapuut wächst, entsteht kein Hain. Und wo kein Hain besteht, kann auch kein Nebel gerufen werden.
Usvapuut sind große, langlebige Bäume mit kräftigen, dunkelbraunen Stämmen und tief gefurchter Rinde. Ihre weit ausladenden Kronen spenden Schatten und bilden die charakteristischen Inseln aus Grün, die das Elfenreich prägen. Die Blätter reichen von sattem Dunkelgrün bis zu staubigem Graugrün und verleihen den Hainen selbst aus großer Entfernung ihr unverwechselbares Aussehen. Besonders alte Exemplare erreichen gewaltige Ausmaße und können Generationen von Elfen überdauern.
Von besonderer Bedeutung sind die Früchte der Usvapuut, die als Usvapähra bekannt sind. Dabei handelt es sich um große, birnenförmige Kapseln, die an den Ästen heranwachsen und im Laufe ihrer Reife von Grün zu warmen Braun- und Ockertönen wechseln. Öffnet man eine reife Usvapähra, findet man keine saftige Frucht, sondern ein dichtes Geflecht feiner, weicher Fasern. Diese Fasern werden von den Elfen geerntet und zu der berühmten Nebelwolle verarbeitet.
Nebelwolle zählt zu den wichtigsten Handelsgütern des Elfenreiches. Aus ihr entstehen Stoffe, Kleidung, Zeltbahnen, Seile und unzählige andere Erzeugnisse. Sie ist leicht, widerstandsfähig und in ganz Aridun begehrt. Viele der hellen Stoffe, die in den Städten der Elfen Schatten spenden, bestehen aus sorgfältig gewebter Nebelwolle. Für zahlreiche Gemeinschaften ist die Ernte der Usvapähra daher ebenso wichtig wie die Pflege der Bäume selbst.
Doch die Usvapuut liefern nicht nur Früchte. Ihr Holz gehört zu den begehrtesten Materialien des Kontinents. Es ist robust, langlebig und gleichzeitig erstaunlich leicht zu bearbeiten. Häuser, Möbel, Werkzeuge und kunstvolle Schnitzereien der Elfen entstehen aus Usvapuut-Holz. Gerade deshalb sind die Bäume seit Jahrhunderten Gegenstand einer Diskussion, die bis heute nicht beendet wurde.
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Innere eines Usvapuut. Lange bevor die ersten Äste absterben oder die Fruchtbildung nachlässt, beginnt das Kernholz langsam weicher zu werden. Für die meisten Besucher ist dies kaum erkennbar. Der Baum wirkt gesund, trägt Blätter und bringt weiterhin Usvapähra hervor. Erfahrene Gärtner und Holzmeister erkennen jedoch die ersten Anzeichen und wissen, dass der Baum seinen Höhepunkt überschritten hat.
Genau hier beginnt einer der ältesten Streitpunkte der Elfen. Einige vertreten die Ansicht, ein Usvapuut solle gefällt werden, solange sein Holz noch von höchster Qualität ist. Andere halten dagegen, dass jeder Baum so lange leben sollte, wie er noch Usvapähra trägt und Nebelwolle hervorbringen kann. Wartet man zu lange, verliert das Holz seinen Wert. Fällt man zu früh, gehen Jahre oder sogar Jahrzehnte weiterer Ernten verloren.
So stehen viele Elfen irgendwann vor derselben Frage: Ist ein Baum wertvoller als Holz oder als lebender Teil des Hains? Eine Antwort darauf hat bis heute niemand gefunden. Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb die Diskussion bereits seit Generationen fortbesteht.
