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Der Brenndorn

Der Brenndorn ist ein seltener Wüstenkaktus, der vor allem in den zentralen Dünenfeldern Ariduns wächst. Seine dickfleischigen Arme speichern nur wenig Wasser, dafür jedoch eine zähflüssige, bernsteinfarbene Flüssigkeit, die von den Bewohnern Ariduns als Brennöl bezeichnet wird. Wird das Öl gereinigt, brennt es lange, ruhig und mit nur wenig Rauch. Es zählt zu den wichtigsten Brennstoffen des Kontinents und wird in Lampen, Leuchtfeuern und Werkstätten verwendet.

Bis heute ist es niemandem gelungen, den Brenndorn gezielt zu züchten. Versuche, Pflanzen umzusetzen oder Samen auszubringen, enden meist damit, dass die jungen Kakteen eingehen oder niemals Öl bilden. Selbst Gelehrte aus Mons Vitalis konnten das Geheimnis bislang nicht entschlüsseln. Deshalb stammt nahezu das gesamte Brennöl Ariduns aus wilden Beständen.

Die Ernte gilt als gefährlich. Das frische Öl besitzt stark reizende Eigenschaften. Bereits wenige Tropfen auf ungeschützter Haut verursachen zunächst ein taubes Gefühl, gefolgt von starkem Brennen, Rötungen und schmerzhaften Blasen. Gelangt das Öl in die Augen, kann es zu vorübergehender Blindheit kommen. Aus diesem Grund tragen erfahrene Sammler dicke Lederhandschuhe, Gesichtsschleier und spezielle Schutzkleidung.

Zusätzlich ist frisches Brenndornöl leicht entzündlich. Viele unerfahrene Sammler haben sich bereits schwer verletzt, weil sie beim Ernten offenes Feuer oder Metallwerkzeuge verwendeten, die Funken schlagen konnten.

Die Ölsucher

Die Gewinnung des Brenndornöls hat einen eigenen Berufsstand hervorgebracht.

Die sogenannten Ölsucher ziehen oft wochenlang durch die Zentralwüste, um wilde Brenndornfelder aufzuspüren. Viele arbeiten in kleinen Gruppen, da die Standorte wertvoller Bestände streng gehütete Geheimnisse sind. Manche Familien geben das Wissen über bestimmte Felder seit Generationen weiter.

Erfahrene Ölsucher erkennen einen ölreichen Brenndorn bereits aus der Entfernung. Sie wissen, welche Pflanzen kurz vor der „Träne“ stehen – jener Zeit, in der der Kaktus besonders viel Öl ausscheidet. Das Öl wird vorsichtig in Ton- oder Keramikgefäßen gesammelt und anschließend an Händler verkauft.

Der Beruf genießt einen seltsamen Ruf. Einerseits sind Ölsucher angesehen, da Städte, Karawanen und Werkstätten auf ihre Ware angewiesen sind. Andererseits gelten sie als sonderbares Volk, das mehr Zeit mit Kakteen als mit Menschen verbringt und dessen Haut oft von den Narben früherer Verbrennungen gezeichnet ist.

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