Die Sirokh - Sturmrochen
Die Sirokh, von den meisten Bewohnern Ariduns schlicht Sturmrochen genannt, gehören zu den rätselhaftesten Kreaturen der zentralen Wüste. Obwohl nahezu jeder Karawanenführer ihren Namen kennt, haben nur wenige Personen jemals einen vollständigen Sirokh gesehen. Die meisten Sichtungen beschränken sich auf das, was zwischen den Dünen auftaucht: sichelförmige Rückenflossen, die für wenige Augenblicke die Sandoberfläche durchbrechen, bevor sie wieder in der Tiefe verschwinden.
Ein ausgewachsener Sirokh erreicht vermutlich eine Länge von zwei bis drei Metern. Sein Vorderkörper ist breit und flach, mit seitlichen Hautsegeln, die sich entlang des Kopfes und der Schultern erstrecken. Nach hinten wird der Leib zunehmend schmaler und geht in einen langen, geschmeidigen Schwanz über. Diese ungewöhnliche Körperform erlaubt es dem Tier, selbst durch dichte Sandschichten mit erstaunlicher Leichtigkeit zu gleiten.
Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen Sirokh tief unter der Oberfläche der zentralen Wüstengebiete. Dort bewegen sie sich nur langsam fort und verlassen ihre Reviere selten. Erst wenn sich große Sandstürme ankündigen, ändert sich ihr Verhalten. Die gewaltigen Winde lockern die oberen Sandschichten auf und schaffen natürliche Wanderrouten durch die Wüste. Dann steigen die Sirokh aus der Tiefe empor und beginnen ihre Wanderung zu uralten Laichgebieten, deren Lage bis heute unbekannt ist.
Oft erscheinen ihre Flossen bereits lange vor dem eigentlichen Sturm an der Oberfläche. Erfahrene Karawanenführer beobachten dieses Zeichen aufmerksam und geben seit Generationen denselben Rat weiter:
„Zeigt der Sand seine Flossen, sucht der Wind bereits nach dir.“
Während ihrer Wanderung durchbrechen die Sirokh gelegentlich die Oberfläche und schießen in hohen Bögen aus den Dünen empor, bevor sie wieder im Sand verschwinden. Lange glaubte man, dieses Verhalten diene der Jagd oder der Orientierung. Heute vermuten einige Gelehrte einen anderen Zweck. Während dieser Sprünge stoßen die Tiere feine Wolken aus sogenanntem Sandharz aus – einem nahezu unsichtbaren Pulver aus winzigen bernsteinfarbenen Partikeln, das vom Wind über weite Entfernungen getragen wird.
Das Sandharz reagiert auf bemerkenswerte Weise mit Flüssigkeiten. Sobald es mit Wasser in Berührung kommt, bindet es die Feuchtigkeit und verwandelt sie in eine zähe, gelartige Masse. Für Händler und Karawanen stellt dies ein ernstes Problem dar, da selbst sorgfältig verschlossene Vorräte während schwerer Stürme verunreinigt werden können.
Die Sirokh selbst scheinen auf diese Eigenschaft angewiesen zu sein. Ihre Haut ist perfekt an trockenen Sand angepasst. Gelangt jedoch Feuchtigkeit an ihren Körper, beginnt Sand an ihnen zu haften. Dies erschwert ihre Bewegungen und kann ihre empfindlichen Sinnesorgane beeinträchtigen. Das Sandharz schützt die Tiere vor genau diesem Problem und ermöglicht es ihnen, auch in den aufgewühlten Dünen eines Sandsturms frei zu gleiten.
Trotz ihrer Bekanntheit bleibt vieles über die Sturmrochen unbekannt. Niemand weiß mit Sicherheit, wo ihre Laichgebiete liegen. Niemand kann sagen, wie alt ein Sirokh werden kann. Selbst ihre genaue Anzahl ist Gegenstand endloser Diskussionen. Für die meisten Bewohner Ariduns sind sie daher weniger Tiere als vielmehr ein Teil der Wüste selbst – uralte Wanderer unter den Dünen, die den Stürmen vorausziehen und deren Flossen den Wind ankündigen, lange bevor die ersten Sandkörner den Horizont verdunkeln.