Porta Montis

Porta Montis, das „Tor des Berges“, liegt unweit von Mons Vitalis an einem der wichtigsten Handelswege Ariduns. Was einst als befestigter Umschlagplatz vor der Hauptstadt begann, ist längst zu einer ausgedehnten Handelsstadt herangewachsen. Während in Mons Vitalis Verträge geschlossen, Lieferrechte vergeben und Preise zwischen den großen Handelshäusern ausgehandelt werden, findet in Porta Montis der eigentliche Warenverkehr statt.

Das Herz der Stadt bildet der Sandhafen. Breite Zufahrtsbahnen führen die ankommenden Sandgleiter zu befestigten Ladeplätzen, an denen ihre Fracht geprüft, gelöscht und auf andere Transporte verteilt wird. Zwischen hohen Lagerhallen, Werkstätten und offenen Frachtplätzen arbeiten Träger, Schreiber, Tierführer und Handwerker beinahe ohne Unterbrechung. Große Waagen und versiegelte Kontore bestimmen das Zentrum, während Wachtürme und Kontrollstellen dafür sorgen, dass kein Gleiter die Stadt passiert, ohne erfasst zu werden. Besonders streng bewacht werden die Wasserlieferungen aus Mons Vitalis, von denen Porta Montis ebenso abhängig ist wie jeder andere Ort Ariduns.

Im Vergleich zur Hauptstadt ist Porta Montis schmutziger, lauter und unübersichtlicher. Staub und Unrat sammeln sich zwischen den Lagerhäusern, der Geruch von Lasttieren, Schweiß und verdorbenen Waren liegt über den unteren Vierteln, und beschädigte Fracht bleibt mitunter tagelang am Rand der Ladeflächen liegen. Wo täglich große Mengen wertvoller Waren bewegt werden und ständig Fremde ankommen, gehören Diebstahl, Betrug, Schutzgelderpressung und gewaltsame Auseinandersetzungen zum Alltag. Viele Verbrechen bleiben ungeklärt, weil die Täter die Stadt bereits mit dem nächsten Handelszug verlassen haben.

Die Aussicht auf schnellen Reichtum zieht Glücksritter, Söldner, Spieler, Schatzsucher, gescheiterte Händler und selbst ernannte Führer aus allen Teilen Ariduns an. Manche suchen Arbeit als Begleitschutz oder auf einem Sandgleiter, andere hoffen auf eine herrenlose Ladung, einen großzügigen Auftraggeber oder eine Gelegenheit, die sich nur einmal bietet. In den Schankhäusern nahe des Hafens werden Mannschaften angeworben, Wetten abgeschlossen und Gerüchte über verschollene Karawanen, verlassene Orte oder besonders wertvolle Fracht gehandelt. Nur wenige finden den erhofften Reichtum; viele bleiben als Tagelöhner, Schuldner oder Schläger in Porta Montis zurück.

Neben gewöhnlichen Waren werden auch Arbeiter vermittelt, Schuldgebundene übertragen und Strafgefangene oder Sklaven verkauft. Die bewachten Höfe, in denen sie untergebracht und begutachtet werden, machen nur einen Teil des Handels aus, prägen jedoch den Ruf von Porta Montis weit stärker als die zahllosen Lager voller Erz, Holz, Werkzeuge oder Lebensmittel. Zwischen den unzähligen Frachtbriefen, Siegeln und Besitzurkunden fällt zudem nicht immer auf, wenn eine Lieferung unter einer anderen Bezeichnung weiterreist, als sie angekommen ist.

Oberhalb der dicht bebauten Arbeiter- und Händlerviertel liegt das Bergviertel. Dort besitzen Adelige und Handelsbarone aus Mons Vitalis gepflegte Anwesen mit abgeschirmten Innenhöfen, eigenen Kontoren und privaten Lagerräumen. Viele dieser Häuser stehen einen Großteil des Jahres leer und werden nur bewohnt, wenn ihre Besitzer persönlich über eine bedeutende Lieferung wachen oder neue Geschäfte aushandeln. Von hier aus lässt sich der Sandhafen überblicken, ohne mit seinem Lärm, seinem Schmutz und seinen Arbeitern unmittelbar in Berührung zu kommen.

Porta Montis wird von einer ungewöhnlich starken Stadtwache kontrolliert. Ihre Patrouillen sind vor allem an den Zufahrten, Lagerbezirken und rund um die Wassertransporte präsent. Sie schützen in erster Linie Eigentum, Handelsverträge und Steuereinnahmen; eine gestohlene Fracht erhält daher häufig mehr Aufmerksamkeit als ein ausgeraubter Reisender. In den unteren Vierteln sorgen zusätzlich angeheuerte Wächter und Söldner für Ordnung, sofern jemand bereit ist, dafür zu bezahlen.

Für Mons Vitalis erfüllt Porta Montis damit eine doppelte Aufgabe: Die Stadt hält den Handel Ariduns in Bewegung und bewahrt die Hauptstadt zugleich vor allem, was dafür getragen, eingesperrt, geschlachtet oder im Staub verladen werden muss.