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Die Büßer

Die Büßer sind eine Gemeinschaft von Ausgestoßenen, die ihren Ursprung in den Schattenseiten der Ordnung Ariduns hat. Jeder von ihnen wurde einst von den Reges Aquae, dem Kult des Ersten Tropfens oder beiden zugleich verurteilt. Manche begingen tatsächlich ein Verbrechen. Andere widersprachen einem Priester, fälschten Wassermarken oder gerieten in Ungnade mächtiger Personen. Wieder andere wurden Opfer von Intrigen oder falschen Anschuldigungen. Für die Büßer spielt die Wahrheit jedoch kaum eine Rolle. Entscheidend ist allein das Urteil.

Wer verstoßen wird, verliert seinen Anspruch auf Wasser, seinen Schutz und seinen Platz innerhalb der Gesellschaft. Die meisten sterben in der Wüste. Doch einige nehmen ihr Schicksal an und wählen einen anderen Weg. Sie ziehen nicht gegen ihre Richter in den Kampf und suchen keine Rache. Stattdessen akzeptieren sie die Strafe und machen sie zu ihrem Lebenszweck.

Nach ihrer Überzeugung ist die Verbannung ein Zeichen dafür, dass sie versagt haben. Nicht die Ordnung hat versagt, sondern sie selbst. Aus diesem Gedanken entstand eine Bewegung, die die Lehren des Kultes des Ersten Tropfens bis in ihre äußersten Konsequenzen verfolgt. Während der Kult lehrt, dass Durst eine Tugend sei, glauben die Büßer, dass wahre Läuterung nur durch Leiden erreicht werden kann. Sie sehen sich als Personen, die ihre Schuld niemals vollständig begleichen können und deshalb ihr gesamtes Leben der Buße widmen müssen.

Ihr Erscheinungsbild macht sie unverwechselbar. Die Haut vieler Büßer ist mit einer weißen Schicht aus Kalk, Asche und tierischem Fett bedeckt. Diese Mischung schützt sie notdürftig vor Sonne und Wind, dient jedoch vor allem als Symbol. Sie erinnert an Staub, Knochen und Vergänglichkeit. Aus der Ferne wirken viele Büßer wie wandelnde Geister oder Skelette, die durch die Wüste ziehen. Auf Stirn, Wangen oder Brust tragen sie häufig das Zeichen des Ersten Tropfens, mit schwarzer Asche aufgemalt. Anders als die Priester tragen sie dieses Symbol jedoch nicht als Zeichen göttlicher Gnade, sondern als ständige Erinnerung an ihre Schuld.

Jeder Büßer bringt freiwillig ein körperliches Opfer dar. Niemand zwingt ihn dazu. Weder ein Gesetz noch ein Priester verlangt es. Die Gemeinschaft betrachtet es jedoch als sichtbares Zeichen der Reue. Manche opfern einen Finger, andere ein Ohr, Zähne oder andere Körperteile. Die Größe des Opfers soll die Bereitschaft zeigen, Verantwortung für das eigene Versagen zu übernehmen.

Als höchste Form der Buße gilt das Opfer eines Auges. Die Büßer lehren, dass Tränen verschwendetes Wasser seien. Wer bereit ist, ein Auge aufzugeben, verzichtet symbolisch auf die Quelle seiner Tränen und opfert etwas, das niemals ersetzt werden kann. Einäugige Büßer genießen deshalb hohes Ansehen innerhalb der Gemeinschaft und gelten vielen als Vorbilder wahrer Hingabe.

Trotz ihres düsteren Erscheinungsbildes sind die Büßer keine einheitliche Gemeinschaft. In den Ruinen, Höhlen und verlassenen Außenposten der Wüste haben sie eigene Lager und Siedlungen aufgebaut. Dort teilen sie Nahrung, Wasser und Schutz miteinander. Viele kümmern sich um Kranke, Verwundete oder andere Verbannte, die von der Gesellschaft aufgegeben wurden. Wer alles verloren hat, findet unter den Büßern oft zum ersten Mal wieder einen Platz in einer Gemeinschaft.

Außerhalb ihrer Lager werden die Büßer jedoch gefürchtet. In den Städten erzählt man sich Geschichten von Überfällen auf Karawanen, verschwundenen Reisenden und fanatischen Gestalten mit kalkweißen Gesichtern, die zwischen den Dünen lauern. Viele Menschen glauben, die Büßer würden Fremde versklaven, misshandeln oder für ihre Rituale opfern. Eltern nutzen ihren Namen, um Kinder zu erschrecken, und kaum ein Händler reist freiwillig durch Gebiete, in denen Büßerlager vermutet werden.

Ein Teil dieser Geschichten beruht auf Wahrheit. Die Verbannung zieht nicht nur Reuige und Gläubige an. Unter den Büßern finden sich ebenso Gewalttäter, Räuber und Verzweifelte, die außerhalb der Ordnung ihre eigenen Regeln geschaffen haben. Manche Gruppen sind für ihre Grausamkeit berüchtigt und betrachten Schwächere als Werkzeug oder Besitz. Andere leben friedlich und widmen sich ausschließlich ihrer Buße. Dadurch weiß kaum jemand, was an den Geschichten tatsächlich wahr ist und was bloße Furcht.

Die Reges Aquae und der Kult des Ersten Tropfens betrachten die Büßer mit Misstrauen. Offiziell sind sie lediglich Verbannte, die außerhalb der Ordnung leben. Doch ihre bloße Existenz beweist, dass Menschen selbst jenseits der Kontrolle des Mons Vitalis überleben können. Für manche sind sie Fanatiker. Für andere Heilige. Für die meisten jedoch sind sie eine unbequeme Erinnerung daran, dass selbst die strengste Ordnung Menschen hervorbringen kann, die bereit sind, ihr Urteil anzunehmen und dennoch weiterzuleben.

So sind die Büßer zugleich Mahnung, Schreckgespenst und Zuflucht. Sie verkörpern die äußerste Konsequenz der Lehren des Ersten Tropfens und zeigen, wohin ein Mensch gelangen kann, wenn er den Gedanken der Buße über alles andere stellt.

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