__**Aarniva - Der erste Hain**__ Aarniva, was in der Sprache der Elfen „Der Erste Hain“ bedeutet, wurde um den Ursprung ihres Reiches errichtet und gilt als älteste Stadt ihres Volkes. Der Erste Hain hat die Jahrhunderte überdauert und bereits zahllose Haine kommen und gehen sehen. Seine besten Tage liegen längst hinter ihm, doch die ursprünglichen Bäume stehen noch immer im Herzen Aarniva. Kein Elf vermag zu sagen, wie alt sie wirklich sind, nur dass das Reich um sie herum gewachsen ist. Niemand weiß, was geschehen wird, wenn der letzte Baum des Ersten Hains eines Tages stirbt. Manche Überlieferungen behaupten, das Ende des Hains werde den Untergang des Elfenreiches einläuten. Andere erzählen, dass nicht nur die Elfen, sondern die gesamte Welt davon betroffen sein könnte. Wieder andere halten diese Geschichten für Aberglauben. Die Wahrheit kennt niemand. Doch selbst jene, die den alten Erzählungen keinen Glauben schenken, begegnen den verbliebenen Bäumen mit Respekt. Der Erste Hain ist weit mehr als ein Ort – er ist der Ursprung ihrer Geschichte. Von diesem Zentrum aus breitet sich Aarniva in mehreren großen Ringen aus, die den Jahresringen eines Baumstammes ähneln. Jede Generation hat ihren eigenen Ring erweitert, neue Häuser errichtet und alte Wege ausgetreten. So wirkt die Stadt, als sei sie über Jahrhunderte gewachsen wie ein lebender Baum. Gerade Straßen sucht man vergeblich. Stattdessen verlaufen breite, ausgetretene Wege in sanften Bögen um den Hain und verbinden die einzelnen Stadtviertel miteinander. Die Gebäude der Elfen bestehen fast vollständig aus Holz. Doch anders als bei vielen anderen Völkern wird das Material selten in starre Formen gezwungen. Die Häuser folgen den natürlichen Linien des Holzes. Gebogene Balken, geschwungene Dächer und offene Veranden prägen das Stadtbild. Die Bauwerke wirken leicht und elegant, ohne dabei unpraktisch zu sein. Sie sind für Handwerker, Gärtner und Händler gebaut, nicht für Adlige oder Krieger. Helle Stoffbahnen aus Nebelwolle spenden Schatten, während geschnitzte Holzarbeiten Geschichten, Familienlinien und Erinnerungen festhalten. Zu den wichtigsten Orten der Stadt gehören die Keimstätten. In diesem sorgfältig geschützten Bezirk werden die seltenen Setzlinge der Hainbäume aufgezogen. Die Aufzucht eines solchen Setzlings gilt als äußerst schwierig und kann viele Jahre in Anspruch nehmen. Oft verbringen Generationen von Gärtnern ihr Leben damit, einen einzigen jungen Baum zu pflegen. Dennoch betrachtet kaum ein Elf diese Mühe als Verschwendung. Jeder Setzling trägt die Möglichkeit eines zukünftigen Hains in sich und damit die Hoffnung auf neues Leben. Es kommt vor, dass sich in den Keimstätten nur wenige junge Bäume gleichzeitig befinden. Doch gerade deshalb werden sie von den Elfen als einer ihrer wertvollsten Schätze angesehen. Trotz ihrer Bedeutung ist Aarniva kein Ort des Prunks. Die Stadt besitzt keine gewaltigen Mauern, keine monumentalen Paläste und keine Türme, die den Himmel herausfordern. Ihr Stolz liegt an anderer Stelle. Besucher erinnern sich vor allem an die Ruhe, die zwischen den Ringwegen herrscht, an den Duft von Holz und Harz und an das Gefühl, dass hier alles Teil eines größeren Ganzen ist. Selbst nach Jahrhunderten scheint die Stadt nicht fertig zu sein. Sie wächst, verändert sich und passt sich an, so wie die Elfen selbst. Über allem wacht das Haus der Wurzeln, die alte Herrscherlinie des Reiches. Von hier aus werden die Beziehungen zwischen den Städten, Hainen und Handelswegen gelenkt. Doch selbst die Herrscher des Hauses wissen, dass sie nicht das eigentliche Herz ihres Volkes sind. Dieses schlägt im Zentrum der Stadt, zwischen den ursprünglichen Bäumen des Ersten Hains, dessen Schicksal untrennbar mit den Hoffnungen und Ängsten der Elfen verbunden ist.